Als Landmensch habe ich viel Leben um mich herum. Zwitschernde Vögel, gackernde Hühner, Dorfdackel, Martinsgänse und seit drei Monaten auch Tombola-Meerschweinchen. Und in all diesen Leben, sogar in unseren, kommt irgendwann der Tag, an dem es zu Ende geht.

Für mich ist es ein Fakt, den manch Einer offensichtlich aus den Augen verloren hat: Wenn wir Töten, entscheiden wir nicht über Leben oder Tod, sondern über den Zeitpunkt.

Nutzen oder Verwerfen?

Bei Wild- und Nutztieren beantwortet dieser Zeitpunkt die Frage der Nutzung. Stirbt das Tier an Alter oder Krankheit, wird es nicht gegessen. Nur ein gesundes, durch eine fach- und tierschutzgerechte Schlachtung oder Erlegung getötetes Tier können wir verzehren – und das verleiht dem Tod damit natürlich etwas ungemein Sinnvolles.

Aber dieses Mal war es ganz anders…

Ich habe zwei verschieden-geschlechtliche Second-Hand Meerschweinchen in einer Tombola gewonnen. Das ist zwar nicht legal aber ein althergebrachter Brauch im pommerschen Hinterland und mal ehrlich, eigentlich macht man da ja auch nur mit, wenn man auch gewinnen will. Allerdings wollte ich den prächtigen Hahn gewinnen und nicht die Meerschweinchen.

Drei Monate später – so lange dauert das bei diesen kleinen Nagern aus Südamerika – hatte ich Nachwuchs. Drei kleine Meerschweinchen-Babies, von denen sich das Letztgeborene nicht so prächtig entwickelte, wie die beiden anderen. Nach 24 Stunden nahm ich es aus dem Stall und versuchte es zu päppeln. Zwölf weitere Stunden später musste ich einsehen, dass es keinen Zweck mehr hat und dem Leiden ein Ende gesetzt werden sollte.


„Gekämpft, gehofft und doch verloren.
Nun ruhe sanft, du gutes Herz. Dich leiden sehen und nicht helfen können war unser allergrößter Schmerz.“

unbekannter Verfasser

Es war für mich eine kleine moralische Achterbahnfahrt. Gebe ich zu schnell auf? Oder habe ich schon zu lange gewartet? Hätte ich dem Junge Leid ersparen können

Jetzt ist es vorbei. Die Entscheidung ist gefallen. Das Leben ist beendet. Ich bin erleichtert, denn die Fragen haben sich aufgelöst. Für Tiere dürfen wir so eine große Verantwortung übernehmen, denn man kann den Vorgang beschleunigen um Leid zu ersparen. Deswegen fühle ich mich aber auch schäbig, denn ich konnte es nicht selbst tun.

Und zu guter Letzt bin ich – auch als Landmensch – traurig, denn es war eben so ein sinnloser Tod. Da hätte es noch so viel Leben geben sollen. Und in diesem kleinen Schmerz spürt man dann die große Dankbarkeit dafür, dass das eigene Kind so gesund ist. Das rückt die vermeintliche Sinnlosigkeit plötzlich in ein anderes Licht.

landleben

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.