Entweder man war jagen oder nicht. […] Es ist ein unglaubliches Gefühl. Dabei muss man ganz leise sein. Man muss das Tier mit dem ersten Schuss treffen, sonst verscheucht man es und manchmal muss man dem Tier auch den Gnadenschuss geben. Dann kommt es in den Kofferraum und man fährt Heim. Aber weißt Du, was ich eigentlich gerne tun würde? Ich möchte es aufheben, mir seine Hinteräufe über die Schultern werfen und dann durch den Schnee zu dieser kleinen Hütte schleppen. Und dort würde ich es aufhängen, zwischen zwei großen Bäumen und anschließend aufschneiden, waschen und ausweiden. Dann würde ich mein Jagdmesser herausholen und ein Stück Lende herausschneiden. Dann gehe ich zur Hütte rüber und treffe dort diese Frau, die schon auf mich wartet. Auf einem von diesen Herden, mit dem großen schwarzen Ofenrohr, würde sie das Fleisch in einer Pfanne aus Gusseisen legen. So lange säße ich dann am Tisch. Sie würde mir dann das Fleisch bringen. Ich dürfte das Messer am Knie abwischen. Sie würde mir zusehen, wie ich das Fleisch esse.

Pete Campbell in Mad Men, Staffel I Folge 7

Ich gucke gerade die Netflix-Serie Mad Men, die in den 60er Jahren spielt: New York, Wirtschaftswunder, Chauvinisten, klare Rollenverteilung – herrlich. In jedem Büro steht eine Bar mit Cognac und Whisky, den ganzen Tag wird damit auf irgendeinen Erfolg oder Misserfolg angestoßen. Danach steigen die Protagonisten lässig und völlig betrunken ins Auto („Vegessen Sie nicht das Licht anzuschalten!“).

Immer und Überall wird geraucht. So schick – und so ein Alptraum! Allein die Utensilien, die es damals gab, um Zigaretten zu verstauen und zu servieren, sind einen Blick in diese Serie wert und das sage ich als ewiger Nichtraucher… Ich bin völlig fasziniert von dem ganzen Gerauche und Gesaufe, von beinahe barocken Figuren der Frauen, die toll aussehen in ihren Kleidern und kostümen, mit den hochen Frisuren und den sexy Pelzen, dem Lidstrich und knallrotem Lippenstift! Oder wie es in einer Serien-Kritik in Unterhaltungsform im österreichischen Standart steht:

Julia Meyer: […]. Gerade auch, weil mich dieses ganze Zigarettenrauchen in der Serie immer noch begeistert. Ich bin jedes Mal wieder überrascht, wenn eine angezündet wird. Als zweiter Gedanke kommt dann: Aja, die 60er, da war das so. Und im Anschluss frag ich mich regelmäßig, wie die Serienmacher das durchgeboxt haben.

Michaela Kampl: Ich will jetzt sofort eine rauchen und irgendwas Hochprozentiges trinken. Am besten mit perfektem Lidstrich und in einer dunklen Bar. Es wird auf jeden Fall ein bittersüßes Ende werden.

Warum es mich so touched? Wahrscheinlich, weil es mir Einblicke in das Leben meiner (West-)Großeltern gewährt. Mein Opa hat selbst im Nachkriegsdeutschland Karriere gemacht und heute würde man sagen, dass er ein Jetset-Leben geführt hat. Vermutlich sah es in den Direktoren-Etagen von Mercedes-Benz, wo er arbeitete, so ähnlich aus, wie in dieser Serie. Die 60-Jahre-Möbel sind Kindheitserinnerungen für mich. Ich hatte keine Oma, die gut und gerne kochte oder jemals Kohlrouladen zubereitet hätte. Meine Oma hat sich jedes Mal ein sündhaft teures Kostüm gekauft, wenn sie meinen Opa bei einer weiteren Affäre erwischte. Sie machte mit Opa Urlaub in Rio de Janeiro oder St. Moritz, bestach den von ihm bezahlten Skilehrer, damit sie nicht mit ihm Skifahren musste, sondern sich auf der Berghütte sonnen konnte – und führte damit ein Leben, das für mich unerreichbar und surreal scheint.

Doch warum schreibe ich in meinem wilden Blog über diese Serie? Ich fand das Zitat am Eingang einfach bemerkenswert, denn er hat mich ein bisschen zum Nachdenken angeregt. Als Jägerin sind mir die Worte, die Taten und auch das Gefühl vertraut. Spannend an der Jagd ist durchaus immer auch die Vebindung zum archaischen. Mir war nur nicht bewusst, dass es auch schon in den 60er Jahren, in einem anderen Jahrtausend, als die Menschen so gefühlt gerade von den Bäumen geklettert kamen, nur wenige Jahre nach dem Ende zwei verheerender Weltkriege und auf dem damaligen Peak der Konsumkultur schon diese Sehnsucht nach purer Wildheit gab.

Ich dachte eher, dass meine eigene Sehnnsucht nach Wildnis, Jagd und urtümlichem Neandertalergehabe aus der heutigen Moderne, mit all seinen Computern und digitalen Möglichkeiten gespeißt ist und habe dabei wohl vergessen, dass man sich natürlich auch in den 60er Jahren schon am Höhepunkt der Moderne befand – obwohl ich mir andererseits ganz sicher bin, dass gerade der Erfolg bei der Jagd, das Beute Heim bringen, den vielleicht ältesten Winkel in unserem Gehirn stimuliert (diese Theorie werde ich ein andermal ausbreiten) – und damit eben schon immer da war.

Andererseits geht es in der Serie um Kretive in der Werbebranche und die Frage (so weit ich das nach den ersten Folgen beurteilen kann), ob sie Sehnnsucht verursachen – oder ob diese Sehnnsucht vorher schon da war. Dass meine Liebe nach Wildnis durch Werbung angeschürt wird – durch Bilder von Natur, durch einsame Angler in einem Fluß Alaskas – ist durchaus wahrscheinlich. Wer die Serie schon gesehen hat oder nicht sicher ist, ob es was für ihn ist, kann ja hier mal drüber fliegen. Ich freue mich jetzt umso mehr auf die kommenden Folgen.

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3 Replies to “Sehnsucht”

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